Die vielsprachige Seele Kakaniens
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Die vielsprachige Seele Kakaniens

By Michaela Wolf
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Book Description

In the last few decades, the discipline of Translation Studies has been characterized by a considerable increase of interdisciplinary approaches which both helped to sharpen its profiling and to promote its multilayered epistemological discussions. The contribution of this book to these developments is located on various levels. I claim that in view of its multifaceted forms, translation as practiced in the late Habsburg Empire to a high degree contributed to the construction of cultures in the pluri-cultural space of the Habsburg Monarchy: on the one hand, I have revealed the various layers of translation’s constructive character and then – on the basis of Pierre Bourdieu’s sociological framework – shed light on the various construction processes on behalf of detailed analyses which focus on the agents involved in these processes. These considerations are then reflected in the delineation of a model which I call the “pluri-cultural communication space of the Habsburg Monarchy”. In terms of methodology, I have drawn on post-colonial theoretical frameworks. On such a basis, I have sketched a concept of culture which aims to correspond to the hybrid constellations characteristic to vast parts of the Monarchy and which claims to detect the symbolic forms of ethnically articulated dominance. The metaphorically inspired translation concept developed in the wake of these reflections (“cultural translation”) results in conceptualizing a typology of various translation forms which claim to do justice to the complexity of the Monarchy’s translatorial practices in the continuum between “communication” and “translation”. Primarily on the basis of archival sources, the analysis covers the translatorial practice in the various ministries (“Commission of Terminology “,“Bureau of Redaction of the Imperial Law Gazette”, “Section of Ciphering and Translatorial Work”), in court (sworn interpreters), and in the diplomatic service, among others. On the other hand, I have worked on extensive corpora analyzing the translation flows both between various languages of the crown lands and with countries outside the Monarchy by adopting numerous parameters (focus: translations into German). Finally, the focus is laid on the translations from Italian, with a particular emphasis on laying bare the construction processes operating in the selection, production, distribution and reception of these translations. The features which make up the construction of culture in the Habsburg context can be particularly detected in two instances: first, in the tensions related to national conflicts which are inscribed in all translation types dealt with in the period under investigation. Secondly, in the phenomenon of bi- and multilingualism which – according to the territory and the legal situation respectively – represented a basic prerequisite for the translation and interpreting activity and as such in many cases made a professional and qualitatively differentiated formation in translation at least at first sight avoidable. Nevertheless, it has been able to reconstruct a gradual institutionalization of the translatorial activity.

Die Translationswissenschaft der vergangenen Jahre ist durch eine zunehmende interdisziplinäre Auseinandersetzung gekennzeichnet, die der Disziplin zu einer ausgeprägten Profilierung verhalf und vielschichtige wissenschaftstheoretische Diskussionen vorantrieb. Der Beitrag der vorliegenden Arbeit zu dieser Konturierung ist auf mehreren Ebenen zu orten: Zum einen werden, ausgehend von der These, dass das Phänomen der Übersetzung in seinen vielfachen Ausformungen wesentlich zur Konstituierung des plurikulturellen Raumes der Habsburgermonarchie beitrug, verschiedene Schichten des Konstruktcharakters von Übersetzung freigelegt, zum anderen auf der Grundlage des kultursoziologischen Theorierahmens von Pierre Bourdieu die einzelnen Konstruktionsprozesse vor dem Hintergrund detaillierter akteurInnenbezogener Analysen ausgeleuchtet und in die Skizzierung eines „plurikulturellen Kommunikationsraumes der Habsburgermonarchie“ übergeleitet.Zur Bestimmung des Beitrages des übersetzerischen Phänomens zur Konstruktion der habsburgischen Kultur im Untersuchungszeitraum 1848-1918 wird in der postkolonialen Theorie Anleihe genommen und ein Kulturkonzept skizziert, das der auf weite Teile der Monarchie zutreffenden hybriden Befindlichkeit zu entsprechen und die symbolischen Formen ethnisch artikulierter Herrschaft zu erfassen sucht. Unter Anwendung des daraus konzipierten metaphorischen Translationsbegriffs („kulturelle Übersetzung“) wird anschließend auf der Basis der translatorischen Praktiken der Habsburgermonarchie eine Typologie der verschiedenen Übersetzungsformen entworfen, die der Vielschichtigkeit dieser Praktiken entlang der Bandbreite von „Kommunikation“ bis „Translation“ entsprechen. Untersucht wird – vorrangig auf der Grundlage von Archivquellen – zum einen die translatorische Praxis in den Ministerien („Terminologiekommission“, „Redaktionsbureau des Reichsgesetzblattes“, „Sektion für Chiffrewesen und translatorische Arbeiten“), bei Gericht (gerichtliche beeidete Dolmetscher), im diplomatischen Dienst etc., zum anderen werden anhand umfangreicher Korpora die Übersetzungsströme zwischen den einzelnen Sprachen der Kronländer und auch mit Ländern außerhalb der Monarchie nach zahlreichen Parametern aufgearbeitet (Schwerpunkt: Übersetzungen ins Deutsche). Der Fokus dieser letztgenannten Untersuchungen wird schließlich auf die Übersetzungen aus dem Italienischen gelegt, wobei besonderes Augenmerk auf die durch Selektion, Produktion, Distribution und Rezeption dieser Übersetzungen vorgenommenen Konstruktionsprozesse gelegt wird. Der kulturkonstruierende Charakter der Translationspraktiken im habsburgischen Kontext ist an zwei wesentlichen Momenten festzumachen: Zum einen an den nationalitätenbezogenen Spannungen, die allen genannten Translationstypen im Untersuchungszeitraum eingeschrieben sind; zum anderen an der Bi- und Plurilingualität, die, je nach Territorium und jeweiliger gesetzlicher Lage, eine grundsätzliche Voraussetzung für die Übersetzungs- und Dolmetschtätigkeit darstellte und als solche eine professionelle und qualitativ differenzierte translatorische Ausbildung vordergründig nicht erforderlich machte. Dennoch ist eine sukzessiv erfolgende Institutionalisierung der translatorischen Tätigkeit rekonstruierbar.

Table of Contents
  • Michaela Wolf: Die vielsprachige Seele Kakaniens
    • Cover
    • Backcover
    • Impressum
    • ISBN 978-3-205-78829-4 Web-Link zur Buchdetailseite der Printausgabe
  • Inhaltsübersicht
  • Dankesworte
  • Einleitung
  • Erstes Kapitel
    • Zur soziologischen Verortung von Translation
      • 1. Wissenschaft und Gesellschaft im Kontext von Translation
      • 2. Translationswissenschaft  : »going social«  ?
  • Zweites Kapitel
    • K.(u.)k. »going postcolonial«
      • 1. Die Verortung der »habsburgischen Kultur«
      • 2. Der »cultural turn« und seine Folgen
      • 3. Übersetzung als Beitrag zur Konstruktion von Kulturen
      • 4. Das Konzept der »kulturellen Übersetzung«
      • 5. Der Versuch einer Übersetzungstypologie
        • »Polykulturelle Kommunikation und Translation«
        • »Transkulturelle Translation«
  • Drittes Kapitel
    • Das habsburgische Babylon
      • 1. Die kakanische Variante der Multikulturalismus-Debatte
      • 2. Zählt der Staat Häupter oder Zungen  ?
      • 3. Sprachpolitik zur »Annäherung der Volksstämme«
      • 4. Die »Vielsprecherei« auf dem Buchmarkt
  • Viertes Kapitel
    • Die translatorische Praxis in der »großartigen Versuchsstation« der Habsburgermonarchie
      • 1. »Polykulturelle Kommunikation«
        • »Habitualisiertes Übersetzen«
        • »Institutionalisiertes Übersetzen«
      • 2. »Polykulturelle Translation«
        • Kontakt zwischen Behörden und Parteien
        • Dolmetschen und Übersetzen bei Gericht
        • Die Übersetzung von Gesetzestexten
        • Translationstätigkeit im Ministerium des Äußern und im Kriegsministerium
      • 3. Die Ausbildung von Dragomanen
      • 4. Der kulturkonstruierende Beitrag der Translationspraxis
  • Fünftes Kapitel
    • Theoretischer Aufriss eines habsburgischen »Übersetzungsraumes«
  • Sechstes Kapitel
    • »Prompt, zu jeder Tageszeit«  : der private Übersetzungssektor
      • 1. Institutionalisierungstendenzen privater Übersetzung
      • 2. Der private Übersetzungssektor als Schauplatz von Positionierungskämpfen
  • Siebtes Kapitel
    • Der »Nutzen fürs geistige Leben«  : Übersetzungspolitik in der Habsburgermonarchie
      • 1. Regelnde Faktoren einer Übersetzungspolitik
        • Zensur
        • Urheberrechtsfrage
        • Konzessionspflicht
      • 2. Staatliche Kultur- und Literaturförderung
      • 3. Literaturpreise
  • Achtes Kapitel
    • »Übersetzen am laufenden Band«. Eine Übersetzungsstatistik
  • Neuntes Kapitel
    • Der Vermittlungsraum italienischer Übersetzungen
      • 1. Österreichisch-italienische Wahrnehmungen
      • 2. Italienische Übersetzungen im deutschsprachigen Raum
      • 3. Die Metamorphosen des »Übersetzungsfeldes«
        • Soziale Felder und ihre Funktionsregeln
        • Die Dynamisierung der bourdieuschen Felder
        • Paratexte – das »Beiwerk des Buches«
        • Der habsburgische Vermittlungsraum
      • 4. Folgerungen aus der Rekonstruktion des »translatorischen Vermittlungsraumes«
  • Zehntes Kapitel
    • Der Vielvölkerstaat als Interaktionsfeld von Übersetzungsleistungen – Schlussbetrachtungen
  • Verzeichnis der in der Habsburgermonarchie erschienenen Übersetzungen Italienisch – Deutsch 1848–1918
  • Verzeichnis der Tabellen, Grafiken und Abkürzungen
    • Tabellen
    • Grafiken
    • Abkürzungen
  • Literaturverzeichnis
    • Quellen
    • Sekundärliteratur
  • Sachregister
  • Personenregister
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