Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte
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Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte

By Hans H. Aurenhammer
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Book Description

Characteristic for all contributions to the Wiener Jahrbuch in 2010 is the presentation of latest research findings with the help of methodological refinements. Thus Assaf Pinkus suggests a new interdisciplinary approach for trecento painting, which brings the viewer's perceptions into an analysis of image creation. Milena Bartlová, on the other hand, addresses the little considered subject of the iconoclasm of Bohemian Hussites. An important finding is that Hussitism was unable to give up the image in its medieval function, since the printed book - which could have taken over the communicative qualities of the image - had not yet been invented. Giovan Battista Fidanza also deals with a little considered subject - namely Michelangelo as wood carver. He is able to demonstrate convincingly that Michelangelo applied prefabricated blocks of limewood in the assemblage of his wooden crucifixes.The four subsequent articles are dedicated to Baroque art. Eckhart Leuschner defines the Baroque allegory as a constant and internationally standardised deployment of formal and semantic possibilities. At the centre of Kristoffer Neville's contribution is an early version of Fischer von Erlach's Entwurff einer historischen Architectur, with the help of which the creative process of Fischer's main architectural-theoretical work is reconstructed. In the complicated memoria programme of the state sarcophagus finished for Franz Stephan and Maria Theresia in 1754 in the crypt of the Vienna Capuchin Church, Werner Telesko identifies both Antique and Christian strands of tradition. Werner Hofmann, meanwhile, recognises the 1711 endowment decree for Lothar Franz von Schönborn as an inofficial foundation source for Schloss Pommersfelden and traces a 'hypertext' within the decree, which represents the key for the building's iconography.The amateur drawings of the Habsburgs from the 19th century are comprehended by Kerstin Merkel as autonomous non-verbal sources and integrated with historical information. Iris Wien, by contrast, sets two self-portraits of Andy Wahrhol within his known oeuvre and convincingly suggests an interpretation as Medusa.In the last four contributions to the volume, the Memorabilia, important contemporary historical documents for the history of the Vienna School are published and made accessible. Alexandra Caruso edits the memoirs of Erica Tietze Conrat. The letters of Wilde, presented by Károly Kókai, provide insights into events within the circles of Vienna art history at that time. Evonne Levy publishes for the first time a selection of letters written by Hans Sedlmayr to Meyer Schapiro in the period 1930-35. Charles Hope succeeds in portraying in convincing complexity the scholarly range of Sir Ernst Gombrich.

Kennzeichnend für alle Beiträge des Wiener Jahrbuches 2010 ist die Präsentation neuester Forschungserkenntnisse mit Hilfe methodischer Raffinessen. So schlägt Assaf Pinkus einen interdisziplinären Zugang für die Trecento-Malerei vor, der Wahrnehmungen des Betrachters in die Analyse der Bilderfindung einbezieht. Milena Bartlová hingegen wendet sich der wenig beachteten Thematik des Bildersturms böhmischer Hussiten zu. Wichtig ist ihre Erkenntnis, dass der Hussitismus das Bild in seiner mittelalterlichen Funktion nicht aufgeben konnte, weil der Buchdruck noch nicht erfunden war, der die kommunikativen Eigenschaften des Bildes hätte übernehmen können. Auch Giovan Battista Fidanza beschäftigt sich mit einem wenig beachteten Thema - nämlich Michelangelo als Holzbildhauer. Er kann überzeugend nachweisen, dass Michelangelo für seine Holzkruzifixe in Assemblagetechnik vorgefertigte Blöcke aus Lindenholz verwendete.Die vier folgenden Themen sind der barocken Kunst gewidmet. Die barocke Allegorie definiert Eckhard Leuschner als konstantes und international vereinheitlichtes Dispositiv formaler und semantischer Möglichkeiten. In Kristoffer Nevilles Aufsatz steht eine frühe Version Fischer von Erlachs Entwurff einer historischen Architectur im Mittelpunkt, mit Hilfe derer der Entstehungsprozess von Fischers architekturtheoretischem Hauptwerk rekonstruiert wird. In dem komplizierten Memoria-Programm des 1754 gefertigten Prunksarkophags für Franz Stephan und Maria Theresia in der Wiener Kapuzinergruft kann Werner Telesko die beiden Traditionsstränge Antike und Christentum auffinden. Indes erkennt Werner Hofmann das Dotationsdekret von 1711 für Lothar Franz von Schönborn als inoffizielle Gründungsurkunde des Schlosses Pommersfelden und spürt in dem Dekret einen "Hypertext" auf, der der Schlüssel für die Ikonographie des Gebäudes ist.Die Laienzeichnungen der Habsburger aus dem 19. Jahrhundert begreift Kerstin Merkel als eigenständige, nonverbale Quellen und vernetzt diese mit historischen Informationen. Iris Wien dagegen verortet zwei Selbstbildnisse Andy Wahrhols in seinem bisherigen Oeuvre und schlägt eine stichhaltige Interpretation als Medusa vor. In den vier letzten Beiträgen dieses Bandes, den Memorabilia, werden wichtige zeitgeschichtliche Dokumente für die Geschichte der Wiener Schule publiziert und lesbar gemacht. Alexandra Caruso gibt Erinnerungen Erica Tietze Conrats heraus. Die von Károly Kókai bearbeiteten Briefe Wildes ermöglichen Einblicke in die Ereignisse innerhalb der Kreise der damaligen Wiener Kunstgeschichte. Evonne Levy publiziert zum ersten Mal eine Auswahl an Briefen, die Hans Sedlmayr an Meyer Schapiro in der Zeit von 1930-1935 sendet. Charles Hope gelingt es, die wissenschaftliche Vielfältigkeit Sir Ernst Gombrichs in einer bestechenden Komplexität darzustellen.

Table of Contents
  • Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte. Jg. 59/2010
    • Cover
    • Backcover
    • Impressum
    • ISBN 978-3-205-78674-0 Web-Link zur Buchdetailseite der Printausgabe
  • Inhaltsverzeichnis
  • ASSAF PINKUS: Voyeuristic Stimuli. Seeing and Hearing in the Arena Chapel
  • MILENA BARTLOVÁ: Der Bildersturm der böhmischen Hussiten. Ein neuer Blick auf eine radikale mittelalterliche Geste
  • GIOVAN BATTISTA FIDANZA: Überlegungen zu Michelangelo als Holzbildhauer
  • ECKHARD LEUSCHNER: Die Versuchungen der Jugend: Internationale Bildkulturen der barocken Allegorie am Beispiel von Venius und Rubens, Cortona und Giordano
  • KRISTOFFER NEVILLE: Fischer von Erlach's First Project for the 'Entwurff einer historischen Architectur'
  • WERNER TELESKO: 'Hier wird einmal gutt ruhen seyn' Balthasar Ferdinand Molls Prunksarkophag für Franz Stephan und Maria Theresia in der Wiener Kapuzinergruft (1754)
  • WALTER JÜRGEN HOFMANN: Schriftquelle, allegorische Lektüre und Schloß Pommersfelden
  • KERSTIN MERKEL: 'Der guten Mutter … dem besten Vater'. Eigene Zeichnungen als Geschenke in der Familie der Habsburger
  • IRIS WIEN: Ein Pop-Künstler als Medusa? Begegnung mit zwei Selbstbildnissen von Andy Warhol
  • MEMORABILIA
    • ERICA TIETZE CONRAT: I then asked myself: what is the 'Wiener Schule'? Erinnerungen an die Studienjahre in Wien (herausgegeben von Alexandra Caruso)
    • JOHANNES WILDE: Briefe aus Wien, Juni 1920 bis Februar 1921 (übersetzt und herausgegeben von Károly Kókai)
    • EVONNE LEVY: Sedlmayr and Schapiro Correspond, 1930-1935
    • CHARLES HOPE: How Gombrich will be Remembered
  • Autorinnen und Autoren dieses Bandes
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