Stalins Soldaten in Österreich
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Stalins Soldaten in Österreich

By Barbara Stelzl-Marx
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Book Description

As Soviet troops first set foot on Austrian territory on March 29, 1945 near Klostermarienberg, they found themselves in a hostile, perplexing and largely unknown world. The Austrians by no means greeted their Eastern "liberators from the fascist yoke" with open arms. Given the first encounters with the Austrian population a variety of stereotypes developed, supporting images of the enemy and the other. Soviet propaganda together with the war experiences anchored these ideas deep into the sub-conscious. However, also ideas of the West that had been aroused by film and literature were now confronted with reality.The Red Army's glorious and triumphant end of WWII was followed by their ten-year long occupation of Austria, where hundreds of thousands of Soviet soldiers and officers, their wives and children and also civil occupational personnel were linked to Austria for many months and sometimes even years. Moscow attempted (often in vain) to train their troops in line with a "higher political oversight," to boost their military discipline and to strengthen their "political and moral status." From the Soviet point of view, direct confrontation with the Austrian population, but also the Western occupying forces rescued them from the danger of being a "hostile takeover." Doubts about the superiority of the Communist system, breaches of regulations as well as offences, which were really "only" a matter of criminal law, were considered politically motivated and served as a sign of the ideological and political fickleness of the concerned party. Reprisals for the afore-mentioned infractions could be severe and sometimes meant the death penalty.The Austrian view of occupation, Austrian everyday life in the Soviet occupation zone or the most important Topoi from the Red Army is well documented and preserved. This research is owed largely to the individual experiences, impressions and responses of the occupying forces themselves.This work is focused on the EXPERIENCE of the soviet "lifeworld" in Austria, which includes among other things the occupation organization, the discipline and prosecution, the daily work, the everyday live in the barracks or the leisure activities; the PERCEPTION mirrored in written and oral testimonies and the institutionalized as well as private MEMORY in the former Soviet Union. The beginning depicts the macro-level structure and functioning of the Soviet occupational apparatus as well as the historical background. This meticulous retracing of history offers new insights into the question of the perception of the other and the development of specific Topoi.

Als sowjetische Truppen am 29. März 1945 bei Klostermarienberg erstmals österreichischen Boden betraten, tauchten sie in eine feindliche, weitestgehend unbekannte und nur schwer verständliche Welt ein, die die östlichen "Befreier vom faschistischen Joch" durchaus nicht mit offenen Armen begrüßte. Angesichts der ersten Begegnungen mit der österreichischen Bevölkerung kamen nun vielfach jene stereotypen Feind- und Fremdbilder zum Tragen, die die sowjetische Propaganda gemeinsam mit den Kriegserfahrungen tief im Unterbewusstsein verankert hatte. Aber auch durch Film und Literatur geprägte Vorstellungen des Westens wurden mit der Realität konfrontiert.Dem für die Rote Armee ruhm- und siegreichen Ende des Zweiten Weltkrieges folgte die zehnjährige Besatzung Österreichs, die hunderttausende sowjetische Soldaten und Offiziere, ihre Frauen und Kinder sowie ziviles Besatzungspersonal für mehrere Monate, aber auch Jahre an Österreich binden sollte. Moskau versuchte (häufig vergeblich), die Truppen zu "hoher politischer Wachsamkeit" zu erziehen, ihre militärische Disziplin zu steigern und den "politisch-moralischen Zustand" zu stärken. Die direkte Konfrontation mit der österreichischen Bevölkerung, aber auch mit westlichen Besatzungsangehörigen barg aus sowjetischer Sicht die Gefahr einer "feindlichen Einflussnahme" in sich. Zweifel an der Überlegenheit des kommunistischen Systems, Regelverstöße sowie Vergehen, die eigentlich "nur" strafrechtlich relevant waren, galten als politisch motiviert und als ein Zeichen der ideologischen und politischen Wankelmütigkeit des Betroffenen. Dies konnte strenge Repressalien bis hin zur Todesstrafe nach sich ziehen. Während die österreichische Sichtweise der Besatzung, der österreichische Alltag in der sowjetischen Besatzungszone oder die wichtigsten Topoi von den Rotarmisten gut dokumentiert und aufgearbeitet sind, stehen Forschungen zu den individuellen Erlebnissen, Eindrücken und Verarbeitungsformen durch die Besatzungssoldaten selbst bisher weitestgehend aus. Im Zentrum der vorliegenden Arbeit stehen die ERFAHRUNG der sowjetischen Lebenswelt in Österreich, die u. a. die Besatzungsorganisation, Disziplin und Strafverfolgung, die tägliche Arbeit, das Alltagsleben in den Kasernen oder die Freizeitgestaltung einschließt; die WAHRNEHMUNG im Spiegel schriftlicher und mündlicher Zeugnisse, und die institutionalisierte wie private ERINNERUNG in der ehemaligen Sowjetunion. Einleitend werden im Rahmen der Makroebene Struktur und Funktion des sowjetischen Besatzungsapparates sowie die historischen Rahmenbedingungen geschildert. Diese akribische Spurensuche soll nicht zuletzt für die Frage nach der Wahrnehmung des Fremden und der Herausbildung spezifischer Topoi neue Einsichten eröffnen.

Table of Contents
  • Barbara Stelzl-Marx: Stalins Soldaten in Österreich. Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945-1866
    • Impressum
    • Cover
    • Backcover
    • ISBN 978-3-205-78700-6 Web-Link zur Buchdetailseite der Printausgabe
  • Einleitung
  • A. Die Makroebene: Kriegsende und Besatzungsapparat
    • I. VORGESCHICHTE: SOWJETISCHE ÖSTERREICHPLANUNG
      • 1. Vom „Anschluss“ bis zur Moskauer Deklaration
      • 2. Verhandlungen zu den Besatzungszonen
        • 2.1 Verhandlungen um Wien
        • 2.2 Zonenabkommen
      • 3. Die Alliierte Kommission:
      • Planungen und Aufgaben
        • 3.1 Erstes Kontrollabkommen
        • 3.2 Zweites Kontrollabkommen
    • II. Kriegsende in Österreich
      • 1. Der Wandel des Feindbildes: sowjetische Propaganda
        • 1.1 „Tod den deutschen Okkupanten!“: Entwicklung des Feindbildes
        • 1.2 „Man kann nicht zwei Hasen gleichzeitig fangen“: Propaganda zu Kriegsende
        • 1.3 Befehle an die Truppen der 2. und 3. Ukrainischen Front
        • 1.4 „Jedmöglichste Hilfe“: Aufrufe an die Bevölkerung
      • 2. Carl Szokoll und die Sowjets: militärischer Widerstand in Wien
        • 2.1 Vorbereitungund Durchführung der „Operation Radetzky“
        • 2.2 Verrat und Niederschlagung
        • 2.3 Wirkung und sowjetische Einschätzung
        • 2.4 Szokolls Verhaftung und Verhöre
        • 2.5 Mangelnde Anerkennung
      • 3. Militärischer Vormarsch und Regierungsbildung
        • 3.1 Die „Wiener Angriffsoperation“
        • 3.2 Sowjetischer Vormarsch in der Steiermark
        • 3.3 Befreiung Österreichs durch die Westalliierten
        • 3.4 Aufbau der provisorischen Regierung
    • III. Der sowjetische Besatzungsapparat: Struktur und Funktion
      • 1. Im Zentrum der Macht
        • 1.1 Von der Komintern zur Außenpolitischen Kommission
        • 1.2 Die Politische Hauptverwaltung der Roten Armee
      • 2. Die diplomatische Ebene
        • 2.1 Die 3. Europäische Abteilung
        • 2.2 Der Politische Berater für Österreich
      • 3. Die militärische Ebene: Armee und Kommandanturen
        • 3.1 Die Spitze der Befehlspyramide: Oberbefehlshaber und Militärrat
        • 3.2 Die Militärkommandanturen: Aufgaben und Pflichten
        • 3.3 Struktur der Militärkommandanturen
        • 3.4 Abschied von Österreich: Truppenabzug und Auflösung der Kommandanturen
      • 4. Die Schattenebene: Geheimdienst und NKVD-Truppen
        • 4.1 Die Inneren Truppen des NKVD/MVD
        • 4.2 Zusammensetzung und Dislozierung
        • 4.3 „Die Säuberung von verbrecherischen Elementen“: Aufgaben 1945
        • 4.4 Razzien, Verhaftungen und weitere Aufgaben 1946
      • 5. Die Verwaltungsebene: Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission
        • 5.1 „Keine Zeit zu verlieren!“ Im Vorfeld der SČSK
        • 5.2 Der 4. Juli 1945: Bildung und Struktur der SČSK
        • 5.3 Kadermangel und -mängel
        • 5.4 „Eine Reihe ernsthafter Mängel“: Überprüfung 1951
        • 5.5 „Liquidierung des Parallelismus“: Reform 1952
        • 5.6 Der Apparat des Hochkommissars 1953–1955
        • 5.7 „Verwaltung und Kontrolle“: Funktionen
      • 6. Das Wirtschaftsimperium
        • 6.1 „Erbsenspende“: Lebensmittelhilfen 1945
        • 6.2 Beutezüge, Demontagen, Konfiszierungen
        • 6.3 Sowjetisches Wirtschaftsimperium: SMV, DDSG, USIA
        • 6.4 Feindbild Marshallplan
        • 6.5 Kaderprobleme und „feindliche“ Kräfte
        • 6.6 Der Riese wankt
        • 6.7 Die Vergoldung des Wirtschaftsimperiums: Ablöse 1955
  • B. Die Mikroebene: Sowjetische Lebenswelt in Österreich
    • I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung
      • 1. Erziehung, Disziplinierung, Kontrolle
        • 1.1 Kapitalismus und Kulturschock
        • 1.2 Überwachung, Überprüfung, Denunziation
        • 1.3 Politisch-moralische Schulung
        • 1.4 Partei und Komsomol
      • 2. „Amoralische Erscheinungen“, Straftaten und ihre Verfolgung
        • 2.1. Militärische Spionageabwehr und Militärtribunal des Truppenteils 28990
        • 2.2 Verurteilt zum Tod durch Erschießen
        • 2.3 Plünderungen, Schwarzmarkt, Trophäen
        • 2.4 „Amoralische Erscheinung“ Trunksucht
        • 2.5 Vergewaltigung
        • 2.6 Desertion, eigenmächtiges Entfernen und Suizid
        • 2.7 Straftaten zum Nachteil sowjetischer Besatzungsangehöriger
    • II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder
      • 1. Die Schattenseite
        • 1.1. Vergewaltigung, Gegenstrategien und Folgen
        • 1.2 Abtreibungen
        • 1.3 Geschlechtskrankheiten und Prostitution
        • 1.4 Die Honigfalle: Spionage, Sabotage und Verhaftung
      • 2. Liebesbeziehungen und ihre Folgen
        • 2.1 Wechselseitige Attraktivität
        • 2.2 Reaktionen von österreichischer Seite
        • 2.3 Reaktionen von sowjetischer Seite
      • 3. Besatzungskinder
        • 3.1 „Als Russenkind war ich das Letzte“
        • 3.2 Kindheit bei Tanten und Pflegeeltern
        • 3.3 Mauer des Schweigens
        • 3.4 Suche nach den Vätern
        • 3.5 Suche nach den Kindern
    • III. Alltag, Freizeit, Besatzungsritual
      • 1. Sowjetischer Alltag in Österreich
        • 1.1 Von der Tagwache bis zum Zapfenstreich
        • 1.2 Unterbringung, Verpflegung, Bekleidung
        • 1.3 Frauen und Familie
      • 2. Freizeit, Erholung, Urlaub
        • 2.1 Jagd und Fischerei
        • 2.2 Sportliche Aktivitäten
        • 2.3 Ausflüge und „kulturelle Betreuung“
        • 2.4 Organisierte Freizeit- und Erholungsangebote
      • 3. Riten, Feiern, Zeremonien
        • 3.1 Bestattungen und Friedhöfe
        • 3.2 Feiern, Kranzniederlegungen, Festtage
  • C. Wahrnehmung und Erinnerung
    • I. Bilder der Besatzung
      • 1. Dokumentarfilme
        • 1.1 Zentrales Dokumentarfilmstudio CSDF
        • 1.2 „The Great Waltz“
        • 1.3 „Vena“ – „Wien“ 1945
        • 1.4 „Val’s svobody“ – „Walzer der Freiheit“ 1965
      • 2. Fotografien
        • 2.1 Zwischen Inszenierung und Dokumentation: Propagandafotografie
        • 2.2 Gelenkte Erinnerung: Fotoalben
        • 2.3 Eigen- und Fremdbilder: außerdienstliche Fotoproduktion
    • II. Medium der Besatzung
      • 1. Die Armeezeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte
        • 1.1 Redaktion und Produktion
        • 1.2 Zielsetzung und Terminologie
        • 1.3 Antiamerikanische Propaganda
        • 1.4 Kampagne gegen Kapitalismus und Marshallplan
        • 1.5 Vermittlung ausgewählter Werte
    • III. Formen der Erinnerung
      • 1. Institutionalisierte Erinnerung im Wandel
        • 1.1 Rituale und Inszenierungen zu jährlichen Feierlichkeiten
        • 1.2 Orte der Erinnerung
      • 2. Mündlich wiedergegebeneErinnerung: Topoi und Tabus
        • 2.1 Wahrnehmung von Österreich
        • 2.2 „Befreier, nicht Eroberer“: zum Selbstbild
      • 3. Schriftliche Zeugnisse
        • 3.1 Sluckijs Autobiografie „Über die anderen und über mich“
        • 3.2 Grigorij Savenoks Memoiren „Wiener Treffen“
  • Resümee
  • Anhang
    • 1. Tabellen
    • 2. Abkürzungsverzeichnis
    • 3. Quellenverzeichnis
      • 3.1. Ausländische Archive
      • 3.2 Österreichische Archive und Sammlungen
      • 3.3 Korrespondenz
      • 3.4 Oral-History-Interviews
    • 4. Literaturverzeichnis
      • 4.1 Primär- und Sekundärliteratur
      • 4.2 CD und Internetquellen
      • 4.3 Zeitungsartikel
    • 5. Filmverzeichnis
      • 5.1 Dokumentarfilme
      • 5.2 Spielfilme
    • 6. Personenregister
    • 7. Ortsregister
    • 8. Sachregister
  • Die Autorin
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