Geschichte der italienischen Literatur in Österreich
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Geschichte der italienischen Literatur in Österreich

By Rut Bernardi
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Book Description

Towards the end of the 20th century the Italian literature created outside Italy finally started to receive proper attention, because research began to focus on the socio-cultural analysis of the different forms of internal and external postcolonialism. As a result, both imperialism and nationalism are seen as responsible for phenomena of cultural alienation in many territories outside as well as inside the national borders of the country and are exposed as ideological constructs. Nevertheless research still neglects the one undoubtedly outstanding region in the production of Italian literature outside Italy, i.e. Austria, more precisely the territories of the Habsburg Monarchy, where for nearly 500 years - from early Humanism to the First World War - the tradition was the richest in quantity as well as in quality. This first part of a comprehensive history of the Italian literature created in Austria for an Austrian public has been written with the intention of filling this gap.The unique position the Italian language held at Vienna's imperial court at least from the middle of the 17th to the middle of the 18th century is well known: Italian was not only an official language for the purpose of representation, it also served as a vehicle of cultural communication in the inner circle of the imperial family. The numerous political connections between the House of Habsburg and the ruling Italian dynasties are a major reason for the manifold cultural transfers between the Austrian territories and the Italian States. The great number of strategic marriages led to intense cultural as well as economical relations, which obviously did result in occasional implications in territorial conflicts and in military alliances not always favorable to the mutual understanding.As a consequence of the above mentioned economical and dynastical connections the Habsburgs often intervened politically in Italy, first in the Early Modern Period, especially during the reigns of Charles V and Ferdinand I. Two centuries later, the Habsburg administration of the Kingdom of Naples (1707-1734) as well as of Lombardy during most of the 18th century (1714-1797) was decisive for the continuation of those interchanges, which ended however, when the Italian movement of unification began to create a totally new situation.Humanism, baroque and enlightenment, three currents which are amply discussed in the present volume, could more easily expand from Italy to Austria because of the before described dynastical connections and they established themselves still deeper because of the immigration or the long stays of Italian authors in the cultural centers of the Austrian monarchy, first of all of course in Vienna. Not surprisingly however, we possess so far only an inadequate and unsystematic documentation of the activities and literary productions of the great majority of those authors: As is well known, the 19th century created a nationalistic base for literary studies, a view which still for a long time influenced the 20th century for a long time. The Italian authors working and publishing in Austria did so in their own language, but in a foreign country and for a foreign sovereign. For this reason they obtained practically no attention in Austrian literary studies, because there works were not composed in the national language, and their appearance in Italian studies is all but nonexistent because they made no direct contribution to the national literary tradition.

Die italienische Literatur außerhalb Italiens erlangt in der Literaturwissenschaft des ausgehenden 20. Jahrhunderts zunehmend ihre verdiente Aufmerksamkeit, sobald nämlich die soziokulturelle Analyse der verschiedenen Formen des äußeren und inneren Postkolonialismus an Bedeutung gewinnt. Imperialismus und Nationalismus werden in gleicher Weise für die kulturelle Entfremdung der außerhalb, aber auch innerhalb der nationalen Grenzen liegenden Gebiete verantwortlich gemacht und als ideologische Konstrukte entlarvt. Die in Bezug auf Produktion von italienischer Literatur außerhalb Italiens vermutlich herausragende Region, nämlich Österreich bzw. die Länder der Habsburgermonarchie, welche über beinahe 500 Jahre vom Frühhumanismus bis zum Ersten Weltkrieg quantitativ und qualitativ die reichhaltigste Tradition aufweist, wird von der Forschung allerdings immer noch unzureichend gewürdigt. Diese Lücke soll durch den vorliegenden ersten Teil einer umfassenden Geschichte der italienischen Literatur in Österreich geschlossen werden. Immerhin wird die außergewöhnliche Position des Wiener Hofes, der das Italienische zumindest von der Mitte 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts als offizielle Sprache der Repräsentation nach außen und nach innen als familiäre Sprache der kulturellen Kommunikation verwendet, inzwischen uneingeschränkt anerkannt.Zu den wichtigsten Grundlagen des vielfältigen Kulturtransfers zwischen den österreichischen Ländern und den italienischen Territorien zählen ohne Zweifel die zahlreichen dynastischen Verbindungen zwischen den Habsburgern und den Herrscherfamilien Italiens. Die dynastisch motivierten Eheschließungen bedingen intensive kulturelle Beziehungen und ökonomische Verflechtungen zwischen den jeweiligen Staaten Österreichs und Italiens, aber auch die fallweise daraus resultierenden Verwicklungen in territoriale Konflikte sowie militärische Bündnisse, welche nicht immer zur gegenseitigen Sympathie beitragen. Die aus den wechselseitigen wirtschaftlichen und dynastischen Beziehungen resultierenden politischen Interventionen der Habsburger in Italien erleben zunächst in der Frühen Neuzeit - vor allem unter Karl V. und Ferdinand I. - ihren Höhepunkt, während sich die administrative Präsenz im Königreich Neapel 1707-34 und in der Lombardei beinahe während des gesamten 18. Jahrhunderts (1714-97) als markant für die beiderseitigen Beeinflussungen herausstellt, bevor die italienische Einheitsbewegung des 19. Jahrhunderts völlig neue Voraussetzungen schafft.Die geistigen Strömungen des Humanismus, des Barock und der Aufklärung, welche in diesem Band ihre gebührende Würdigung finden sollen, werden in ihrem Vordringen aus den italienischen Gebieten nach Österreich durch die genannten dynastischen Beziehungen maßgeblich gefördert und verwurzeln sich nachhaltig durch die Zuwanderung bzw. die zum Teil sehr langen Schaffensperioden italienischer Autoren in den österreichischen Kulturzentren, allen voran Wien. Deren Aktivitäten in den habsburgischen Gebieten sind in der Forschung bisher nur unzulänglich und unsystematisch dokumentiert, weil ihre Produktion in einem fremden Land für fremde Herrscher mit den im 19. Jahrhundert entworfenen Visionen von einer Nationalliteratur unvereinbar sind. Sie finden in der österreichischen Literatur keine Berücksichtigung, weil die Werke nicht in der Landessprache abgefasst sind, und sie tauchen kaum in den italienischen Darstellungen auf, weil sie keinen Beitrag zur nationalen Tradition leisten.

Table of Contents
  • Alfred Noe: Geschichte der italienischen Literatur in Österreich. Teil 1: Von den Anfängen bis 1797
    • Cover
    • Impressum
    • Backcover
    • ISBN 978-3-205-78730-3 Web-Link zur Buchdetailseite der Printausgabe
  • Inhaltsverzeichnis
  • I. Der italienische Humanismus in Österreich
    • I.1 Francesco Petrarca in Prag
    • I.2 Enea Silvio Piccolomini in Wien
    • I.3 Die Humanisten an den Höfen und Universitäten
    • I.4 Die Panegyrik für Maximilian I.
    • I.5 Die Späthumanisten zwischen Wien und Prag
  • II. Der Petrarkismus und die Akademiebewegungin Österreich
    • II.1 Petrarkismus und protestantischer Adel
    • II.2 Die Rezeption der Madrigalistik an den Höfen
    • II.3 Barocke Akademien
  • III. Die religiöse Literatur von der Gegenreformation zur katholischen Frühaufklärung
    • III.1 Reformorden aus Italien und ihre Volksmissionen
    • III.2 Die kontemplative Literatur für Laien
    • III.3 Die katholische Frühaufklärung
  • IV. Die italienische Improvisationskomödie
    • IV.1 Italienische Truppen in Österreich und Böhmen
      • IV.2 Die Commedia dell’arte im österreichischen Musiktheaterdes 17. und 18. Jahrhunderts
      • IV.3 Italienische Texte der deutschen Wanderbühne in Österreich
  • V. Die literarische Selbstdarstellung des Kaiserhofes im Barock
    • V.1 Die Bedeutung der Historiographie
    • V.2 Die Funktion der kaiserlichen Hofdichter
    • V.3 Geistliche Musikdramen und Oratorien
    • V.4 Die Rezeption des italienischen Musiktheaters zu Beginn des 17. Jahrhunderts
    • V.5 Serenaden, Kammerfeste und andere Kleinformen
    • V.6 Ballette und Einleitungen zu Balletten
    • V.7 Aufzüge und Rossballette
    • V.8 Musikalische Feste
    • V.9 Faschingsopern
    • V.10 Opern zu Geburts- und Namenstagen im Kaiserhaus
    • V.11 Opern zu Geburten im Kaiserhaus
    • V.12 Hochzeitsopern
  • VI. Die italienische Aufklärung in Österreich
    • VI.1 Die Kontakte der italienischen Frühaufklärer zum Wiener Hof
    • VI.2 Die geistlichen Libretti der Generation vor Metastasio
    • VI.3 Die weltlichen Libretti der Generation vor Metastasio
    • VI.4 Pietro Metastasio – der Hofdichter als Monument
  • VII. Von der Spätaufklärung zur Frühromantik
    • VII.1 Von Metastasio zu Goldoni
    • VII.2 Die neuen Leidenschaften im Libretto
    • VII.3 Die italienischen Reformbewegungen und Österreich
  • VIII. Die Verbreitung der italienischen Literatur
    • VIII.1 Die Drucker italienischer Werke
    • VIII.2 Das Libretto als wichtigste Gattung
    • VIII.3 Übersetzungen in das Deutsche
    • VIII.4 Die Präsenz in den Bibliotheken
  • IX. Verzeichnis der Drucke
  • Bibliographie
  • Riassunto
  • Personen- und Titelregister
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